Dreifaches Gift und dreifaches Gold nach Michael Lukas Möller

Dr. Daniel Köpke
Drei dunkle Samenkapseln, drei goldene Blüten und eine junge gemeinsame Pflanze

Das dreifache Gift und das dreifache Gold von Michael Lukas Möller ist ein praktischer Kompass für Kommunikation. Drei Gewohnheiten erschweren Verbindung: einsame Entscheidungen, Projektion und stille Erwartungen. Drei andere Gewohnheiten stärken sie: Selbstoffenbarung, positives Feedback und konkrete Verhaltenswünsche.

Das Modell lässt sich in Partnerschaften, Freundschaften und Familien anwenden. Feiertage sind ein besonders guter Übungsraum, weil viele Entscheidungen, Rituale und Erwartungen in kurzer Zeit zusammenkommen. Beginne dabei mit der Frage: Welche dieser sechs Gewohnheiten erkenne ich in meinem eigenen Verhalten?

Das 3-fache Gift und das 3-fache Gold – ein Überblick

GiftFrage zur Selbstreflexion
Einsame EntscheidungenHabe ich etwas entschieden, das auch einen anderen Menschen betrifft – ohne es ihm mitzuteilen?
ProjektionWelche Seite oder welches Merkmal des anderen generalisiere ich gerade? Welche anderen, schätzenswerten Seiten hat der andere noch?
Stille ErwartungenWas wünsche ich mir, das der andere tut, ohne es bisher ausgesprochen zu haben?
GoldFrage zur Selbstreflexion
SelbstoffenbarungWas kann ich über mein Gefühl, meinen Wunsch oder mein Bedürfnis mitteilen?
Positives FeedbackWelches Verhalten des anderen mag ich und wie kann ich dem anderen mitteilen, dass ich gern mehr davon hätte?
VerhaltenswunschUm welches konkrete, beobachtbare Verhalten möchte ich bitten?

Einsame Entscheidungen

Einsame Entscheidungen betreffen einen anderen Menschen, ohne ihn am Entscheidungsprozess zu beteiligen: „Ich habe den Urlaub schon gebucht“ oder „Ich habe deine Eltern für Heiligabend eingeladen.“ Die Absicht kann Fürsorge oder Effizienz sein. Gleichzeitig fehlen der anderen Person Informationen, Wahlmöglichkeiten und die Gelegenheit, eigene Wünsche einzubringen.

Du kannst daraus eine gemeinsame Entscheidung machen: „Ich würde Weihnachten gern mit deinen Eltern verbringen. Wie geht es dir mit der Idee?“ Selbst wenn die andere Person dir die Entscheidung überlässt, war sie bewusst beteiligt.

Projektion

Projektion ist die Verwechslung unseres „Bildes“ von einem Menschen mit dem Menschen selbst. Sätze wie „Du bist immer so empfindlich“ oder „Du bist genau wie deine Mutter“ machen aus einzelnen Erfahrungen eine feste Beschreibung der Person – gegen die sie sich meist zurecht wehrt.

Kontakt entsteht durch aktuelle Beobachtung und neugieriges Fragen: „Als du eben still geworden bist, habe ich vermutet, dass dich mein Satz geärgert hat. Wie war es für dich?“ Damit bleibt die andere Person die Expertin für ihre eigene Innenwelt.

Stille Erwartungen

Stille Erwartungen reichen von „Wenn du mich liebst, weißt du, was ich brauche“ bis zur ungeklärten Vorstellung, wann, wo und mit wem Weihnachten gefeiert wird. Auch Geschenke tragen häufig Erwartungen: persönlich, überraschend, nützlich, teuer oder bewusst klein.

Schreibe vor einem wichtigen Treffen drei Erwartungen auf. Entscheide dann, welche davon du als Selbstoffenbarung oder konkrete Bitte aussprechen möchtest. So erhält dein Gegenüber die Chance, dich zu verstehen und auf deinen Wunsch zu antworten.

Selbstoffenbarung

Selbstoffenbarung schafft ein Fenster in die eigene Innenwelt. Du machst verständlich, wie du dich fühlst, was du dir wünschst und was dir wichtig ist.

Selbstoffenbarungen machen aus einem „Du hörst mir nie zu" ein „Wenn ich dir etwas erzähle und du schaust dabei auf dein Handy, fühle ich mich unwichtig und verliere die Lust, weiter zu erzählen." Sie machen aus einem „Du arbeitest zu viel" ein „Ich vermisse dich."

Positives Feedback

Positives Feedback macht sichtbar, welche Wirkung eine konkrete Handlung auf dich hatte. Es unterstützt das Bedürfnis, wahrgenommen zu werden, wichtig zu sein und etwas zu bewirken.

So kannst du auch ein „Danke" aufwerten zu einem „Als du mir vorhin Kaffee gebracht hast, habe ich mich richtig umsorgt gefühlt." Je spezifischer du anderen rückmelden kannst, was sie Positives für dich getan haben, desto besser.

Verhaltenswünsche

Ein Verhaltenswunsch beschreibt konkret, was der andere tun kann: „Kannst du mich bitte ausreden lassen und danach sagen, was du gehört hast?“ Die andere Person kann darauf antworten, und ihr könnt bei Bedarf einen Gegenvorschlag entwickeln.

Marshall Rosenberg beschreibt die Reaktion auf ein „Nein“ als wichtigen Unterschied zwischen Bitte und Forderung. Eine Bitte lässt der anderen Person Wahlfreiheit und hält das Gespräch über alternative Lösungen offen.

Checkliste vor einem Familienfest oder wichtigen Gespräch

Du kannst sogar das Teilen dieses Modells dreifach golden formulieren: Offenbare, warum dir das Gespräch wichtig ist, würdige das Interesse oder eine Stärke deines Gegenübers und frage konkret, ob die Person den Artikel oder die Podcastfolge lesen beziehungsweise hören möchte.

Sei nachsichtig

Wenn Menschen anfangen, ihre Kommunikation bewusst zu verändern, gestatte ihnen, dass sie anfangs damit richtig schlecht sind. Jeder Schritt auf einen Kommunikationsstil hin, der zu einem friedlichen, liebevollen Weihnachtsfest führt, darf belohnt werden – auch wenn er von dir selbst kommt.

Die Podcastfolge 17 vertieft das Modell mit vielen Weihnachtsbeispielen. Das Zwiegespräch nach M. L. Möller gibt Selbstoffenbarung und Zuhören einen regelmäßigen Rahmen. Weitere praktische Formulierungen findest du im Artikel über Kommunikation in Beziehungen.

Quellen

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