6 menschliche Bedürfnisse in Beziehungen: eine Gesprächsübung

Dr. Daniel Köpke
Leuchtende Baumringe als Symbol für die 6 menschlichen Bedürfnisse

Die 6 menschlichen Bedürfnisse können Paaren eine gemeinsame Sprache für das geben, was ihnen in einer konkreten Situation wichtig ist. Das von Tony Robbins popularisierte Coaching-Modell lädt euch ein, zwischen einem Bedürfnis und der gewählten Strategie zu unterscheiden.

Beginnt dabei bei euch selbst: Was habe ich beobachtet? Was fühle ich? Welches Bedürfnis möchte ich erfüllen? Was tue ich bisher dafür – und welche konkrete Bitte kann ich formulieren? Was deinem Gegenüber wichtig ist, erfährst du anschließend durch eine offene Frage.

Die sechs Bedürfnisse als Fragen für eure Beziehung

Die Grundlagen des Modells findest du im Artikel Die 6 menschlichen Bedürfnisse nach Tony Robbins. Für ein Beziehungsgespräch könnt ihr die sechs Begriffe direkt in Fragen übersetzen:

BedürfnisFrage in der Partnerschaft
SicherheitWelche Vereinbarung würde mir gerade Orientierung und Verlässlichkeit geben? Was brauche ich, um wieder ein positives Bild von der Zukunft zu bekommen?
AbwechslungWo wünsche ich mir mehr Spielraum, Überraschung oder Lebendigkeit? Wo bin ich gelangweilt oder unterfordert? Wo fehlt mir Abenteuer? Aufregung? Leidenschaft?
BedeutungWobei möchte ich gesehen, ernst genommen oder in meiner Wirkung anerkannt werden? Wofür wünsche ich mir Komplimente und Bestätigung? Worin möchte ich mich von anderen unterscheiden?
Liebe und VerbindungWelche Form von Nähe oder gemeinsamem Erleben wünsche ich mir? Welche Sprache der Liebe spreche ich? Wie möchte ich gemeinsame Zeit am liebsten verbringen?
WachstumWas möchte ich lernen, verändern oder weiterentwickeln? Worin möchte ich unterstützt werden? Welche Ziele und Träume würde ich gern gemeinsam erreichen? Worin wünsche ich mir Fortschritt?
BeitragWofür möchte ich Verantwortung übernehmen oder etwas in unser gemeinsames Leben einbringen? Welchen positiven Einfluss auf andere soll unsere Beziehung haben?

Diese Fragen sind Einladungen zur Selbstreflexion. Dein Gegenüber kann dieselbe Situation anders erleben und mit eigenen Worten beschreiben, welches Bedürfnis für ihn gerade wichtig ist.

Drei typische Situationen – und mehrere gute Lösungen

1. Das Wochenende planen

Eine Person möchte am Donnerstag wissen, wann es am Samstag losgeht. Die andere möchte den Vormittag gern offenlassen. Im Gespräch kann daraus werden: „Eine feste Abfahrtszeit gibt mir Orientierung.“ Und: „Ein offener Vormittag fühlt sich für mich erholsam und lebendig an.“ Eine mögliche Vereinbarung wäre ein Zeitfenster, innerhalb dessen beide am Samstag gemeinsam entscheiden.

2. Anerkennung und gemeinsame Zeit

Nach einer anstrengenden Woche möchte eine Person von einem Erfolg erzählen und dafür wahrgenommen werden. Die andere freut sich vor allem auf ungeteilte gemeinsame Zeit. Beide Anliegen können Platz bekommen: erst zehn Minuten bewusst zuhören und würdigen, danach die Arbeit beiseitelegen und den Abend gemeinsam beginnen.

3. Veränderung und Verlässlichkeit

Eine Person möchte neue Rituale ausprobieren, die andere möchte Bewährtes erhalten. Statt eine Seite zum Maßstab zu machen, könnt ihr fragen: Welcher kleine Versuch wäre interessant? Welche vertrauten Elemente sollen dabei bestehen bleiben? So können Wachstum und Sicherheit gemeinsam berücksichtigt werden.

Gesprächsübung in fünf Schritten

Wählt zunächst eine konkrete Situation. Jede Person beantwortet die fünf Schritte für sich, bevor ihr euch gegenseitig zuhört:

  1. Beobachtung: Was ist geschehen, das eine Kamera oder ein Kalender ebenfalls festhalten könnte?
  2. Gefühl: Was fühle ich, wenn ich an diese Situation denke?
  3. Bedürfnis: Welches der sechs Bedürfnisse beschreibt mein Anliegen am besten?
  4. Strategie: Was habe ich bisher getan, um dieses Bedürfnis zu erfüllen? Was hat daran gut funktioniert?
  5. Bitte: Welches konkrete, beobachtbare Verhalten wünsche ich mir für das nächste Mal?

Danach fragt die zuhörende Person: „Habe ich richtig verstanden, dass dir dabei vor allem … wichtig ist?“ Sie lässt sich korrigieren und fragt anschließend: „Was wünschst du dir konkret von mir?“ Im Zwiegespräch nach Michael Lukas Möller könnt ihr diese Form des Zuhörens regelmäßig vertiefen.

Beispiel: von der Deutung zur Bitte

Aus „Du bist immer so unzuverlässig“ kann eine Selbstoffenbarung werden: „Für Samstag haben wir noch keine Uhrzeit vereinbart. Ich merke, dass ich unruhig werde, weil mir Planungssicherheit wichtig ist. Können wir bis Donnerstagabend eine Abfahrtszeit oder ein Zeitfenster festlegen?“

Das Gegenüber kann nun zustimmen, ablehnen oder einen Gegenvorschlag machen: „Ich möchte den Vormittag gern flexibel halten. Können wir vereinbaren, zwischen zehn und zwölf Uhr loszufahren und uns um zehn kurz abzustimmen?“ So entsteht aus zwei Bedürfnissen eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe.

Das Gespräch weiterführen

Gute Kommunikation in Beziehungen verbindet Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Die Psychographie kann zusätzlich helfen, Unterschiede wertschätzend zu benennen und neue Lösungen zu entwickeln.

In Folge 13 des Beziehungs-Mindset-Podcasts stelle ich die sechs Bedürfnisse mit vielen Beispielen ausführlich vor. Wenn ihr euch bei der Übersetzung eurer Bedürfnisse Unterstützung wünscht, können wir im Zwiecoaching gemeinsam daran arbeiten.

Weiterführende Quellen

Die offizielle Seite von Tony Robbins ist die Quelle für die hier beschriebene Fassung des Coaching-Modells. Die beiden Forschungsarbeiten verwenden mit der Selbstbestimmungstheorie eine andere Bedürfnistheorie und bieten ergänzenden Kontext zur Bedeutung psychologischer Bedürfniserfüllung in Beziehungen. Die Praxisquelle erläutert die Trennung von Beobachtung, Interpretation, Bedürfnis und Bitte.

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