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Die eigene Eifersucht überwinden

Aktualisiert: 30. Okt. 2023

Wie du mit 5 kinderleichten Schritten aus dem Beziehungsdrama heraus kommst


Wenn du gerade akut in einem Eifersuchts-Anfall steckst, kannst du dir auch meine SOS Eifersucht Meditation anhören. Hier habe ich die Inhalte dieses Artikels noch einmal als 45 Minuten Audio für dich zusammen gefasst. Vielleicht fällt dir dies leichter als einen längeren Text zu lesen.


#Eifersucht gehört zu den quälendsten und schmerzhaftesten Erfahrungen, die jeder wohl bereits einmal erfahren hat. Zumindest jeder psychisch gesunde Mensch. Ich rede dabei nicht von einem harmlosen, neckischen Gefühlchen, das dich zu einen flapsigen Kommentar gegenüber deinem Partner verführt, von dem er sich dann im Grunde sogar wertgeschätzt fühlt. Ich rede von einem Gefühl, das dich einfach eiskalt erwischt. Einem Gefühl, das dich überkommt und die Situation schier unausweichlich zum Eskalieren bringt.


Wenn du wirklich richtig eifersüchtig bist, übernehmen deine Gefühle die Kontrolle. Dein gesamtes Nervensystem meldet „Alarmstufe Rot“. Und dieses brennende Gefühl in deiner Brust fordert dich mit unbedingter Bestimmtheit auf: JETZT ist es an der Zeit, deinem Gefühl Ausdruck zu verleihen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Auslöser nur ein harmloser, flüchtiger, flirtender Blick deines Partners ist. Oder aber ob er sich tatsächlich einen #Seitensprung geleistet hat. Das Gefühl ist plötzlich so präsent, dass es sich nicht mehr leugnen lässt… Was auch immer da in dir vorgeht... Es muss einfach raus!


Auch wenn du weißt, dass deinem Partner Vorhaltungen zu machen eher zu Widerständen als zu Verständnis führt. Dennoch sorgt diese übermächtige Macht in dir einmal mehr dafür, dass du die Situation eskalierst. Ein weiterer furchtbarer Streit steht wieder einmal an. Und je mehr du versuchst, dieses Gefühl zu unterdrücken, desto mächtiger bricht es aus dir heraus. Klingt ausweglos, sagst du?


Nein, denn es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, anders mit deiner Eifersucht umzugehen. Und die habe ich dir in dieser Schritt für Schritt-Anleitung einfach und verständlich beschrieben. Sie ist die Essenz meiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit eigener Eifersucht, der meiner Freunde, (Ex-)Freundinnen und Coachees. Sie funktioniert für Männer wie für Frauen gleichermaßen, denn das dahinter stehende psychologische Muster ist immer dasselbe.


Wenn du diese Anleitung Schritt für Schritt anwendest, garantiere ich dir, dass dein Gefühl der Eifersucht vergangen sein wird. Zeitaufwand: maximal eine Stunde.


Jeder einzelne Schritt ist für sich genommen bereits ein sehr wirksames Coaching-Format. So wird allein das Leses des Textes dafür sorgen, dass die Intensität deiner Eifersucht um 90% reduziert wird. Ich würde dir empfehlen, alle Schritte bis zum Ende durchzugehen - selbst wenn es dir bereits früher sehr viel besser geht. Denn im besten Fall steht am Ende eine Einsicht, die langfristig und nachhaltig deine Beziehung dramatisch verbessern wird.


Lass uns also starten…


1. Schritt: Abstand gewinnen und Hilfe suchen


Vermutlich ist dir bewusst, dass es jetzt keine gute Idee ist, deine Eifersucht einfach deinem Partner gegenüber „herauszukotzen“. Natürlich kannst du auch deinen Partner darum bitten, dich dabei zu unterstützen, das unangenehme Gefühl zu erkunden. Doch wenn ihr als Paar noch keine gemeinsame Erfahrung mit diesem Prozess habt, ist die Gefahr groß, dass es dein Partner persönlich nimmt, dass du in einer für ihn (vermutlich) ganz normalen Situation eifersüchtig wirst. Der sich daraus möglichweise ergebende Streit birgt die Gefahr, weiter Öl ins Feuer zu gießen. Daher ist der erste wichtige Schritt, dass du verhinderst, deine noch unreflektierten Gefühle deinem Partner ungefiltert vor die Füße zu kippen.


Zieh dich raus aus der Situation, ohne deinem Partner Vorwürfe zu machen. Das kann zum Beispiel so klingen:


„Ich bin gerade ein bisschen durch den Wind. Ich brauche ein paar Minuten um ein paar Gedanken sortieren. Ich gehe eine kurze Runde spazieren. Mach dir keine Sorgen. Ich erzähle dir hinterher, was ich herausgefunden habe. Danke für dein Verständnis.“


Wenn du dann allein bist, kannst du den nachfolgenden Prozess natürlich auch ohne Hilfe durchführen. Gerade bei deinen ersten Gehversuchen damit empfehle ich dir jedoch sehr, dass du z.B. einen Freund anrufst und ihn um Hilfe bittest. Im besten Fall schickst du ihm diesen Artikel und bittest ihn darum, dich durch diesen Prozess zu begleiten. Dazu sollte es reichen, dir den Artikel-Text vorzulesen und an den wichtigen Stellen genügend Zeit zu lassen. Oder du hörst dir meine SOS Notfall Meditation aus dem Mitglieder-Bereich an.


2. Schritt: Anerkennen, dass du eifersüchtig bist


Wie bereits der bekannte Psychiater C.G. Jung festgestellt hat, ist es unmöglich etwas zu ändern, das man nicht anerkennt. Wenn du leugnest, dass du eifersüchtig bist, beraubst du dich jeder Möglichkeit, etwas an deinem Gefühl zu verändern. Vielleicht ist es auch nicht direkt Eifersucht, die dich plagt, sondern ein sehr ähnliches Gefühl. Viele Menschen verwechseln Eifersucht mit Wut, Ärger, Sorge, Frustration, Unsicherheit oder Ungerechtigkeit. Doch erst wenn du feststellst, dass es dort ein starkes Gefühl in deinem Körper gibt, das dich quält, hast du überhaupt erst die Chance, die Kontrolle über dieses Gefühl zu bekommen.


Der erste Schritt dazu ist, das quälende Gefühl in dir so genau wie du nur kannst zu benennen. Frage dich: „Bin ich eifersüchtig oder bin ich wütend? Habe ich Angst, bin ich frustriert oder fühle ich mich ungerecht behandelt“. Forsche nach, welches Gefühl gerade in dir hochkommt und versuche es so genau zu bekennen, wie es dir im Augenblick möglich ist. Eine halbwegs zutreffende Benennung ist für den Anfang ausreichend. Du wirst jedoch feststellen, dass allein das Gefühl präzise zu benennen bereits dazu führen wird, dass ein Großteil deines emotionalen Drucks vergeht.


Es ist dann fast ein bisschen so, als würde sich das Gefühl, das dort in dir aufsteigt „gesehen“ fühlen und augenblicklich von dir ablassen. Viele Menschen beschreiben diesen Moment, die richtige Bezeichnung für das Gefühl gefunden zu haben, als ein Gefühl des „Einrastens“, das durch den gesamten Körper geht. Eugine T. Gendlin beschreibt mit dem „Focussing“ eine ganze Coaching-Technik, die im Wesentlichen auf dem Finden dieses so genannten „felt sense“ beruht.


Das klingt jedoch zunächst leichter als es ist. Denn diesen „felt sense“ zu finden - dieses spezielle Gefühl des Einrastens, wenn du nach langem Suchen endlich einen treffenden Namen für ein schwer greifbares Gefühl gefunden hast - kann mitunter 20-30 Minuten dauern. Und in deiner emotionalen Verfassung kann es gut sein, dass dir dazu die Geduld fehlt - insbesondere, wenn du es allein versuchst. Daher ist es auch hier sehr sinnvoll, Hilfe von z.B. inem Freund zu suchen, der für die benötigte Dauer des Prozesses immer wieder deine Aufmerksamkeit auf die Benennung des Gefühls in dir lenkt. Insbesondere dann, wenn du es zum ersten Mal machst.


In jedem Fall empfehlenswert ist es auch, sich während des Suchprozesses körperlich zu bewegen. Es klingt nicht besonders intuitiv, aber Spazierengehen, ein paar Yoga-, Dehn- oder Steckübungen können in dieser Situation wahre Wunder bewirken. Und es klingt vielleicht albern, aber vergiss dabei deine Gesichts-Muskulatur nicht. #Emotionen sind in unserem Körper gespeichert. Und wenn wir unseren Körper bewegen, bewegen wir damit auch Emotionen. Und nachdem wir über unsere Gesichtsmuskulatur sehr viele unserer Emotionen kommunizieren, kommt durch die Bewegung eben jener Gesichtsmuskulatur sehr schnell Bewegung in unserer emotionales System. Ein paar Grimassen zu schneiden, mag im ersten Moment etwas Überwindung kosten. Doch wenn du dich darauf einlässt, wirst du erstaunt sein, wie schnell du einen unglaublich zutreffenden Namen für dieses nebulöse, undefinierbare Gefühl finden wirst.


Das Wichtigste jedoch ist, dass du dir die Zeit lässt. Lass dich nicht austricksen von deinem Geist. Er wird dir vielleicht einreden, dass das alles Nonsens ist, dass das eh nicht funktioniert. Dass man da eh nichts machen kann. Er sagt dir vielleicht, dass das bloß eine blöde Technik ist, die eh nicht funktioniert. Dass du eigentlich gerade gar keine Zeit für so einen Blödsinn hast. Höre nicht darauf. Nimm dir mindestens 10 Minuten Zeit für diesen Schritt. Und habe Geduld mit dir.


3. Schritt: Kontakt aufnehmen mit der Eifersucht


Wenn du dann eine ausreichend genaue Benennung des Gefühls gefunden hast, ist es im nächsten Schritt wichtig, eine Kommunikation mit diesem Gefühl zu etablieren. Ja, du hast richtig gelesen. Mit diesem haarigen, schleimigen, gruseligen, fiesen Gefühl reden wir jetzt. Dazu beginne dich zunächst nach innen zu wenden und das Gefühl zu begrüßen. Sage innerlich: „Hallo Eifersucht“ (oder wie auch immer du das Gefühl im vorherigen Schritt genannt hast) und beobachte zunächst, was passiert.


In manchen Fällen reagiert das Gefühl sehr heftig darauf, dass plötzlich zum ersten Mal ernsthaft mit ihm kommuniziert wird. In anderen Fällen passiert erst einmal gar nichts. Schließlich ist es vermutlich auch für die Eifersucht sehr ungewöhnlich, dass überhaupt ernsthaft mit ihm kommuniziert wird.


In vielen Fällen ist es auch sehr hilfreich, sich weitere Details zu dem Gefühl vorzustellen. Denn es ist schwer, mit etwas zu kommunizieren, von dem man nur eine sehr abstrakte, ungreifbare Vorstellung hat. Eine konkretere Vorstellung kannst du jedoch erzeugen, indem du dir die richtigen Fragen dazu stellst. Die folgenden Fragen mögen im ersten Moment ungewöhnlich für dich klingen. Aber beantworte sie einfach intuitiv und aus dem Bauch heraus. Dann wirst du feststellen, dass es dir viel leichter fallen wird, mit dem Gefühl tatsächlich zu kommunizieren.


Frage dich zum Beispiel: Wie sieht das Gefühl aus? Ähnelt es vielleicht einem Menschen, dem du kennst? Einem Tier, einem Monster, einem Fabelwesen? Welche Farbe hat es? Wie groß ist es und wie weit weg von dir? Wie klingt seine Stimme, falls es eine Stimme hat? Hat es Fell oder nackte Haut? Trägt es Kleidung? Wenn ja, welche? Wie sehen seine Augen aus? Hat es einen Mund? Ohren? Augenbrauen? Eine Frisur? Trägt es Schmuck oder Accessoires?


Manchen Menschen hilft es, das Gefühl genauer zu visualisieren, wenn sie einen Ort im Raum dafür festlegen, an dem das Gefühl steht oder sitzt. Das kann ein Blatt Papier sein, ein Stuhl, ein Kissen oder ein Kuscheltier sein. Andere Menschen können genauer visualisieren, wenn sie die Augen schließen, sich in eine gewohnte Meditationshaltung begeben und beginnen aktiv ihren Körper zu entspannen. Wähle einen Weg, der sich richtig für dich anfühlt und sammle immer mehr Details in allen Sinneskanälen (sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken) über das Gefühl. Frage dich zum Beispiel weiter:


Was tut das Gefühl eigentlich genau? Bewegt es sich? Schnell oder langsam? Interagiert es noch mit jemandem oder etwas anderem? Läuft, gestikuliert, redet oder isst es? Oder sitzt oder steht es einfach da und langweilt sich? Kratzt es sich oder popelt es in der Nase? Speit es Feuer oder macht es Zaubertricks? Gibt es Interaktionen mit anderen Gefühlen von dir? Gibt es Hinweise in seinem Verhalten auf Charaktereigenschaften, die du magst oder zumindest interessant findest?


Je mehr sinnesspezifische Details du dir passend zu diesem Gefühl vorstellst, desto leichter ist es mit einem solchen Gefühl zu kommunizieren. Lass deiner Fantasie freien Lauf und erlaube dir, ein bisschen albern zu werden. Ein bisschen Humor lockert den Prozess meist und macht ihn erträglicher. Und wenn das Gefühl plötzlich beginnt, sogar fast ein bisschen freundlich mit dir zu kommunizieren, weißt du, dass du auf dem richtigen Weg bist…


Auch bei diesem Schritt ist es wichtig, dass du dir ausreichend Zeit lässt. Gerade bei deinen ersten Versuchen damit, empfehle ich dir mindestens 10, besser 20 Minuten für diesen Schritt.


4. Schritt: Unerfülltes Bedürfnis herausfinden


Wenn du dann begonnen hast, eine #Kommunikation mit dem Gefühl zu etablieren, solltest du im Gespräch mit ihm herausfinden, warum es eigentlich da ist. Was ist wohl seine Absicht für dich? Gehe davon aus, dass die Absicht, die das Gefühl für dich hat, positiv ist. Das gilt besonders dann, wenn du weißt, dass die Eifersucht bereits viel Schaden angerichtet hat. Unterscheide zwischen der Absicht des Gefühls und der Auswirkung, die es auf dich und dein Leben hatte. Frage das Gefühl immer wieder wertschätzend und neugierig: „Was willst du eigentlich für mich?


Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass das Gefühl in der ersten Antwort versuchen wird, dir einzureden, dass dein Partner etwas falsch gemacht hat. Dass er aufhören soll, etwas zu tun, das dir Schmerzen bereitet. Das kann so etwas sein wie:


„Ich will nicht mehr, dass mein Partner mit seinen Kumpels weggeht.“

„Mein Partner soll aufhören, fremden Frauen hinterher zu glotzen.“

„Mein Partner soll weniger Zeit auf der Arbeit und mehr Zeit mit mir verbringen.“

„Seine blöde Ex-Freundin soll endlich aus unserem Leben verschwinden.“


Solange die Antwort des Gefühls nahelegt, dass sich dein Partner (oder Dritte) anders verhalten sollen, so dass dein Gefühl der Eifersucht weggeht… Nun so lange hast du noch nicht tief genug gegraben. Noch krasser gesagt: Solange deine Eifersucht behauptet: "Mit mir ist alles in Ordnung - die anderen sind Idioten." Mach dir Klar:


Eifersucht hat immer etwas mit dir zu tun.


Eifersucht ist immer ein Symptom eines unerfüllten #Bedürfnisses, einer unerfüllten Sehnsucht, eines unerfüllten Traums. Hiernach solltest du (innerlich) fragen. Ich gebe dir ein paar Beispiele:


Wenn es dich triggert, dass dein Partner oft mit seinen Kumpels ausgeht, kann es sein, dass dir ebenfalls ein paar wirklich gute gleichgeschlechtliche Beziehungen im Leben fehlen. Vielleicht ist es aber auch die leichte, humorvolle und lockere Art, die er mit ihnen lebt, und von der du lernen solltest, sie auch in dein Leben zu integrieren.


Wenn es dich triggert, dass dein Partner anderen Menschen hinterher sieht, kann es sein, dass dir die (nonverbale) Bestätigung fehlt, dass dich dein Partner attraktiv und schön findet. Und vielleicht fällt dir auf, dass du ihn schon lange nicht mehr danach gefragt. Und mal Hand aufs Herz: Gibst du deinem Partner denn diese Bestätigung?


Vielleicht erlaubst du dir aber auch selbst nicht, dich nach schönen Menschen in der Welt umzuschauen oder versagst es dir, mit harmlosen Flirts im Alltag, deinen eigenen "Marktwert" abzuchecken. Insgeheim aber nicht aus edlen Motiven. Sondern vielmehr aus Angst vor dem Feedback.


Vielleicht geht es dir nicht um die Zeit mit deinem Partner, sondern vielleicht würdest du wirklich gern wissen, was genau er eigentlich an dir als Mensch schätzt. Was er für Stärken, Qualitäten und Talente in dir sieht. Welchen positiven Beitrag du zu seinem Leben leistest. Und vielleicht fällt dir auf, dass du das deinem Partner auch schon lange nicht mehr gesagt hast.


Und vielleicht sind immer wiederkehrende quälende Fantasien, in denen dein Partner dir fremdgeht, ein Hinweis auf unerfüllte sexuelle Bedürfnisse. Vielleicht ist es ein Hinweis auf eine Fantasie, eine Spielart oder einen Fetisch, den du dich nicht einmal getraut hast, zu denken, geschweige denn deinem Partner gegenüber auszusprechen oder gar zu auszuleben.


Was auch immer wirklich dahinter steckt. Solange das Ergebnis der Frage nach dem unerfüllten Bedürfnis dazu führt, dass dein Partner oder jemand anderes sich verändern muss, du dagegen dich aber nicht. Dann kannst du davon ausgehen, dass du noch nicht am Ende des Prozesses angelangt bist.


Vielleicht begegnen dir auf deinem Weg auch Einwände aus der Kategorie "In dieser Situation kann man doch nicht...", "Wenn er sich so verhält, wie soll ich da anders als...", "Wenn ich meinen Partner wirklich liebe, MUSS ich da doch eifersüchtig werden..." und so weiter. Wenn dir innerlich Sätze begegnen, die behaupten: "Wenn X passiert, dann MUSS Eifersucht passieren"... Nun, dann gratuliere ich dir. Denn dann hast du vermutlich einen verhältnismäßig tief liegenden #Glaubenssatz gefunden.


Die Behandlung von Glaubenssätzen ist ein eigenes Kapitel. Doch grob vereinfacht kannst du diese aufweichen oder sogar auflösen, indem du dich immer wieder fragst: "Ist das wirklich wahr?" "Ist es wirklich absolut undenkbar, dass es anders sein könnte?" "Bin ich mir wirklich bei allem, was mir heilig ist, absolut sicher, dass das zu 100% so stimmt?". Widersprich dem Glaubenssatz nich, sondern beginne zunächst sanft in Zweifel zu ziehen, ob du damit wirklich vollständig verstanden hast worum es geht. Versuche deinen Glaubenssatz nicht loszuwerden und durch etwas anderes zu ersetzen. Versuche vielmehr ihn zu erweitern... Das fehlende Puzzelteil zu finden, das du bisher noch übersehen hast.


Doch lass dich nicht zu sehr ablenken von eventuell gefundenen Glaubenssätzen, seien sie auch noch so interessant. Sondern bleibe dabei, das hinter deiner Eifersucht stehenden Bedürfnis zu erforschen. Und solange die Antwort dir nicht ein kleines bisschen unangenehm ist (weil sie dir zum Beispiel Mut, Disziplin oder eine unangenehme Tätigkeit abverlangt), kannst du davon ausgehen, dass du dir gerade selbst auf den Leim gehst.


Sobald du jedoch ein Bedürfnis gefunden hast, dessen Erfüllung zumindest auch ein kleines bisschen Veränderung von deiner Seite verlangt, bist du bereit, damit deinem Partner gegenüberzutreten. Anders gefragt:

  • Welche Fähigkeit müsstest du lernen, damit das Verhalten deines Partners dich nicht mehr eifersüchtig macht?

  • Welche Sehnsucht spiegelt dir deine Eifersucht?

  • Wie kannst eine Erfahrung kreieren, die diese Sehnsucht befriedigt?

Erst so kommst du in die Selbststeuerung und Selbstverantwortung über deine Gefühle, die ich dir als grundsätzliche Lebenshaltung sehr empfehle.


5. Schritt: Unerfülltes Bedürfnis kommunizieren


Du hast das hinter deiner Eifersucht stehende Bedürfnis herausgefunden? Hervorragend, dann fehlt nur noch ein wichtiger Schritt. Denn offen ist jetzt nur noch die Frage, wie du damit umgehst. Hierzu hast du mindestens 3 Möglichkeiten, auf die ich noch einmal kurz im Detail eingehen will:


5A: Das Bedürfnis nicht ausleben

Ja du hast richtig gelesen. Nur weil du ein Bedürfnis bei dir identifiziert hast, bedeutet das noch lange nicht, dass du es tatsächlich auch ausleben musst. Wir Menschen sind doch keine wilden Tiere. Müsste jeder ständig jedes Bedürfnis ausleben, würden wir alle unsere Notdurft auf der Straße entrichten und uns beim kleinsten Anfall von Wut gegenseitig umbringen. Es gibt hunderte Möglichkeiten, ein Bedürfnis nicht zu leben. Du kannst es aufschieben oder in einem anderen Kontext ausleben. Du kannst auch ein anderes, dem entgegenstehendes Bedürfnis finden, das sogar noch stärker ist. Schließlich bist du mehr als nur dieses eine Bedürfnis, das du gerade herausgefunden hast. Verwechsele dich also nicht mit deinem Bedürfnis. Meiner Erfahrung nach reicht oft ohnehin schon das bloße Bewusstsein darüber aus, dass das Bedürfnis da ist, damit sich bereits ein Großteil der emotionalen Spannung löst.


In jedem Fall würde ich dir dennoch raten, deinem Partner davon zu erzählen: Sowohl von dem Bedürfnis, als auch von der Entscheidung, es nicht auszuleben. Nicht jedoch um ihm ein schlechtes Gewissen einzureden oder ihm das große Opfer, das du für ihn und/oder die Beziehung bringst später aufzurechnen. Sondern um für Verständnis zu werben für das nächste Mal, wenn du vielleicht doch wieder einmal ein kleines bisschen eifersüchtig wirst.


5B: Das Bedürfnis in der Partnerschaft ausleben

Die wohl naheliegendste Variante - wenn auch die nicht immer einfachste, ist das identifizierte Bedürfnis zusammen mit dem Partner auszuleben. Und ja, du wirst Mut brauchen, deinem Partner davon zu erzählen, dass du gern eine neue Spielart im Bett ausprobieren würdest. Dass du gern seine Unterstützung hättest, dir deinen eigenen Freundeskreis auf- oder auszubauen. Oder dass ihr einen regelmäßigen Termin etabliert, in dem ihr beide frei über eure Gefühle reden könnt. Denn egal wie gut du deinen Wunsch auch ausdrücken magst... Ein gewisses Risiko, dass dein Partner mit deinem Vorschlag nicht einverstanden ist, wird bleiben.


Um deine Chancen jedoch zu erhöhen, dass dein Partner deinem Wunsch nachgeht, empfiehlt es sich sehr, eher Einladungen auszusprechen, statt Forderungen zu stellen. Und weißt du, wie du am leichtesten einen Wunsch von einer Forderung unterscheidest?

An deiner Reaktion auf ein "nein".


Wenn die Vorstellung, dein Partner könnte auf deinen Vorschlag negativ reagieren, noch immer Stress in dir auslöst, dann wirst du Forderungen als Einladungen tarnen. Und dein Partner wird das sehr wahrscheinlich bewusst oder unbewusst merken und damit schon aus Prinzip in den Widerstand gehen. An dieser Stelle ist es zunächst deine Aufgabe, 2-3 alternative Optionen zu generieren, die für dich zumindest annähernd vergleichbar schön wären. Diese Alternativen müssen auch nicht vollkommen gleichwertig sein. Es reicht, wenn sie "gut genug" sind. Dann nämlich kannst du deinem Partner in einer Haltung begegnen von:


"Ich habe da etwas, das sich sehr gern mit dir ausprobieren würde. Es ist in Ordnung, wenn du das nicht willst. Denn ich hätte eine Alternative, die für mich auch in Ordnung geht. Aber ich fände es schöner, wenn wir das zusammen machen würden."


5C: Das Bedürfnis außerhalb der Partnerschaft ausleben

Nicht immer wird es dir gelingen, deinen Partner von der Erfüllung deiner Bedürfnisse zu überzeugen. Und das ist auch sein gutes Recht. Schließlich hat auch er einen freien Willen und ist ein eigenständiger Mensch. Manches Mal wird dir deine Eifersucht auch Bedürfnisse spiegeln, an denen sich dein Partner auch überhaupt nicht beteiligen kann. Wenn du dich also entschieden hast, dein Bedürfnis auszuleben, und dein Partner sich daran nicht beteiligen kann oder will... Dann bleibt dir nur, dich nach Außen zu orientieren.


Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass du nach einer anderen Beziehung suchen musst. Vielmehr meine ich damit, dass du in anderen Lebensbereichen aktiv wirst, um das Bedürfnis zu stillen. Zum Beispiel könntest du dich einem Hobby oder einer Aktivität widmen, die dir Spaß macht und dir ein Gefühl von Bestätigung oder Erfüllung gibt. Indem du dich auf dich selbst fokussierst und deine eigenen Interessen verfolgst, kannst du eine innere Zufriedenheit erreichen, die dich viel weniger anfällig für Eifersucht macht.


Es ist nicht nur in Ordnung, sich Bedürfnisse außerhalb der Partnerschaft zu erfüllen. Es ist sogar sehr wichtig. Du bist ein vielschichtiges Wesen mit verschiedenen Facetten. Und du solltest dich nicht ausschließlich auf deinen Partner verlassen, deine Bedürfnisse zu erfüllen. Möglichst alles mit dem Partner teilen zu wollen, klingt auf den ersten Blick zwar romantisch. Es ist allerdings eine der Haupt-Ursachen für die Entwicklung einer toxischen #Coabhängigkeit in der Beziehung.


Der Fairness halber solltest du dennoch die Entscheidung, deine Bedürfnisse außerhalb der Beziehung zu leben, mit deinem Partner kommunizieren. Vermutlich wirst du überrascht sein, wie viel entspannter er auf deine Entscheidung reagieren wird, als du jetzt vielleicht noch befürchten magst. Und sollte er widererwartend doch eifersüchtig darauf reagieren... Nun, dann kannst du ihm ja diesen Artikel schicken 😉


Liebe Grüße

Daniel





Und zu guter Letzt: Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, und du jemanden kennst, der einige Gedanken daraus sogar noch viel dringender gebrauchen kann als du, dann wird er dir vermutlich sehr dankbar sein, wenn du ihm diesen Artikel weiterleitest. Die Weiterverbreitung ist von meiner Seite ausdrücklich gewünscht.


Wenn er dir dagegen persönlich sehr weiter geholfen hat, freuen sich bestimmt viele andere Leser (und ich auch), wenn du deine Erfahrung mit uns in den Kommentaren teilst 😉


Und selbst verständlich kannst du dir den Text natürlich auch für eine spätere Gelegenheit abspeichern, in der du doch einmal eifersüchtig werden solltest. Wer weiß, wann dir vielleicht noch einmal eine Eifersucht über den Weg läuft, die dich völlig aus der Bahn wirft?



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